09.02.2016

Bettlägrigkeit – eine Einführung.

Die Bettlägerigkeit bezeichnet den Zustand einer Person, die nicht mehr mobil ist und somit auch auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Diese Hilfe betrifft nicht nur alltägliche Dinge, wie das Einkaufen von Lebensmitteln oder das Kochen; ab einem bestimmten Grad an Immobilität ist die Pflege fester Bestandteil. Meist tritt dieser Zustand im hohen Alter auf.

Unterschiedliche Phasen der Bettlägrigkeit

Bettlägrigkeit: Pflege ist unverzichtbar

Für bettlägrige Patienten bestehen im Alter Probleme, die unbedingt beachtet werden sollten. Nur durch gute Pflege und Vorbeugung können ältere Patienten hier vor unangenehmen Folgen bewahrt werden.

Die Bettlägerigkeit entwickelt sich meist langsam.

Zu Anfang beginnen die Bewegungsmöglichkeiten sich nach und nach einzuschränken; das Gehen fällt schwer und wirkt unsicher, der Kreislauf macht öfter Probleme. Ein Gehstock oder Rollator kann stützen und helfen. Auch in der Wohnung können Griffe und andere Veränderungen den alltäglichen Ablauf unterstützen und erleichtern.

Trotz allem entwickeln die meisten Menschen Ängste vor Stürzen, Unfällen und unangenehmen Situationen (zum Beispiel bei Inkontinenz). Unternehmungen außerhalb der Wohnung werden mehr und mehr gemieden.

Bei Krankheiten kommt es schnell zur Abwärtsspirale Richtung Bettlägrigkeit

Durch eine gesundheitliche Einschränkung, wie einen Schnupfen, Herzinfarkt oder einen Sturz kann sich die Situation dieser Menschen sehr schnell verändern. Eine sitzende und liegende Position zum Ausruhen ist dann angenehmer und wird somit bevorzugt; der Bewegungsradius wird nochmals eingeschränkt, die körperliche Betätigung weiter zurückgeschraubt.

Ist ein eigenständiges aufstehen und wechseln der Räume oder Sitz- und Liegemöglichkeiten, wie etwa vom Bett zum Sofa nicht mehr möglich, so nennt man das Ortsfixierung. Diese Situation ist meist sehr unangenehm für die Betroffenen; Hilfe wird eher ungerne in Anspruch genommen. Oft wird versucht, die liegende oder sitzende Position so selten wie möglich zu ändern oder zu verlassen; man möchte Rücksicht auf die Helfenden nehmen, keinen unnötigen Aufwand machen. Nur für den Toilettengang und andere wichtige Dinge wird die liegende Position verlassen.

Kann das Bett nicht mehr verlassen werden, um auf die Toilette zu gehen, so ist eine strikte Bettlägerigkeit eingetreten. Bewegung erfolgt nicht mehr selbstständig. Der Lebensraum wird auf das Bett und den umgebenden Raum eingeschränkt.

Sobald ein gewisser Grad der Bettlägrigkeit erreicht ist, kommt man um einen Pflege Beistand nicht mehr herum. Das Waschen, Umlagern und die Hilfe bei der Bewegung innerhalb der Wohnung verlangen nach einem geschulten Pflegepersonal.

Die Psychische Beeinflussung eines Patienten durch die Bettlägrigkeit darf nicht unterschätzt werden

Dass Menschen mit dem Alter gebrechlicher werden ist ganz klar. Ein Unfall oder eine Erkrankung ist in diesem gesundheitlichen Zustand für den Körper natürlich auch viel anstrengender und langwieriger; bleibende Schäden treten häufiger auf, als bei jungen, fitten Menschen.

Eine starke Psyche und auch Unterstützung durch Angehörige sind hier von Vorteil und auch wichtig, um diesen Zustand durchzustehen. Eine Bewegungseinschränkung muss nicht zwangsläufig hingenommen werden; ein starker Wille und positives Denken können helfen. Hier können Sie Ihren betroffenen Angehörigen oft schon durch gute Worte und seelische Unterstützung sehr viel Hilfe vermitteln.

Folgen der Bettlägerigkeit

Die strikte Bettlägerigkeit hat sehr negative gesundheitliche Folgen. Diese werden oft unterschätzt:

  • Es kommt zur verminderten Muskelaktivität bis hin zum Muskelabbau. Dadurch wird es immer schwerer sich selbst zu bewegen um zum Beispiel eigenständig auf die Toilette gehen zu können und somit der Bettlägerigkeit etwas entgegenzuwirken.
  • Die Atemfrequenz sinkt. Dadurch wird nicht mehr genügend Sauerstoff aufgenommen und es wird zu wenig Kohlenstoffdioxid abgeatmet. Desweiteren kommt es zur Ansammlung von Schleim in der Lunge. Das Risiko an einer Lungenentzündung zu erkranken steigt dadurch stark an
  • Der Blutdruck ist verringert. Das Gehirn wird dadurch nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dies führt zu Müdigkeit, Schwäche, Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit.
  • Magen- und Darmtätigkeit verringern sich, dies führt zu Obstipation (Verstopfung).
  • Aufgrund verminderter äußerer Reize und Einflüsse wird die Wahrnehmung verändert.
  • Das Thromboserisiko steigt durch die mangelnde Bewegung.
  • Dekubitalgeschwüre treten gehäuft auf, da die Haut und das darunter liegende Gewebe ungenügend durchblutet werden.
  • Es kommt zur Versteifung von Gelenken, wenn diese über lange Zeit nicht verwendet, also mobilisiert werden.
  • Eine Inkontinenz kann entstehen.

Droht die Bettlägrigkeit über einen mittleren Zeitraum, sollten Sie als Angehöriger oder Betroffener unbedingt alle zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, um sich dagegen zu wehren. Auch wenn Sie das viel Kraft und Mühe kostet. Es lohnt sich.

Prävention – Vorbeugung gegen die Bettlägrigkeit und ihre Folgen

Prävention ist bei Bettlägerigkeit sehr wichtig. Die Bewegung muss stark gefördert werden. Am besten ist es, dass die Personen sich so viel wie möglich aktiv bewegen. Angehörige oder Pflegepersonal soll dabei unterstützend helfen.

Dabei sind Routineabläufe sehr wichtig um Sicherheit und auch Vertrauen herstellen zu können. So kann man zum Beispiel die letzten drei Schritte zum Bett stets selbst ausführen lassen. Ist eine aktive Bewegung nicht mehr möglich, so kann und muss durch Physiotherapie passiv bewegt werden.

Desweiteren ist es wichtig, die Personen gezielt Reizen auszusetzen. Dazu zählt Musik hören oder auch selbst singen, Fotoalben ankucken, Körperkontakt zum Beispiel durch eine Massage oder das eincremender Haut, auch Gerüche vom Lieblingsparfüm, Blumen, Kräutern und Gewürzen beim kochen können sehr anregend wirken.

Beitrag verfasst von Konrad Dießl.