Die Grundpflege – was ist das?

Der Bedarf an Grundpflege bestimmt die Pflegestufe

Zur Grundpflege gehören laut SBG XI die Ernährung, die Körperpflege und die Mobilität. Eine hauswirtschaftliche Versorgung wird nicht zur Grundpflege gerechnet. Die Grundpflege und deren täglich erforderliches Ausmaß bestimmen in welche Pflegestufe eine pflegebedürftige Person eingeordnet wird. Um den Bedarf an Grundpflege zu messen, haben die Pflegekassen jedem der unten aufgezählten Punkte Standardzeiten zugeordnet.

Hier der Zusammenhang zwischen Grundpflege und Einstufung in die Pflegestufe:

  • Pflegestufe 1: mehr als 46 Minuten Grundpflege pro Tag
  • Pflegestufe 2: mehr als 120 Minuten Grundpflege pro Tag
  • Pflegestufe 3: mehr als 4 Stunden Grundpflege pro Tag

Die Pflegestufe wiederum bestimmt die Leistungen, die die gesetzliche und private Pflegeversicherung erstatten wird. Sie wird anhand eines Fragenkataloges zu den unten stehenden Kriterien von einem externen Gutachter beantwortet.

Was gehört zur Grundpflege?

Körperpflege, Ernährung und Mobilität sind die drei Elemente der Grundpflege.

Folgende Tätigkeiten fallen unter die Körperpflege:

  1. Waschen: am Waschbecken oder mit einer Waschschüssel am Bett. Das Vor-/ Nachbereiten (z.B. Ausziehen), Abtrocknen und Anziehen gehört mit zum Waschvorgang dazu.
  2. Duschen: eine Ganzkörperwäsche unter der Dusche zu welcher der Zeitaufwand für das Waschen, Aus- und Anziehen und das Abtrocknen gerechnet werden.
  3. Baden: eine Ganzkörperwäsche in der Badewanne inklusive der Vorbereitung und Nachbereitung sowie des Abtrocknens bzw. Abtupfens bei empfindlicher Haut. Sollte es nach dem Baden aus medizinischen Gründen nötig sein, die Haut mit Hautpflegeprodukten einzureiben, wird dies als zusätzliche Zeit zu medizinischen Versorgung gerechnet und getrennt im Pflegetagebuch eingetragen.
  4. Zahnpflege: hierzu zählt im Rahmen der Grundpflege der komplette Vorgang der Reinigung des Mundraumes – vom Aufschrauben der Zahnpasta bis hin zum Zuschrauben der verwendeten Mundwasser und Zahncreme.
  5. Kämmen: das Kämmen oder Bürsten der Frisur / eines Toupets sowie das Aufsetzen eines Toupets zählen mit zur berechenbaren Zeit. Das Legen neuer Frisuren oder ein Frisörbesuch zählen nicht zur Grundpflege.
  6. Rasieren: die sichere Entfernung des Bartes oder Damenbartes durch Trocken- oder Nassrasur.
  7. Darm- oder Blasenentleerung: zu diesem Teil der Grundpflege fallen das An- und Ausziehen soweit erforderlich, das Reinigen von Kleidung bzw. neu Ankleiden bei Kotschmieren, sowie die Entleerung und Reinigung von künstlichen Ausgängen / Kathetern, Stuhlbeuteln etc. – zusätzlich notwendige Einmalmaßnahmen wie ein Klistier, ein Einlauf zur Reinigung oder das Anlegen eines Einwegkatheters können als medizinische Erschwernis ebenfalls geltend gemacht werden – gleichermaßen auch die hauswirtschaftliche Versorgung zur Reinigung der Toilette, Bettwäsche und Kleidung.

Zur Ernährung werden gerechnet:

  1. Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung: dies umfasst nur die letzte Verarbeitung der Nahrung vor der Nahrungsaufnahme – also beispielsweise das Zerkleinern oder Mixen. Kochen, Eindecken und Co. gehören nicht zur Grundpflege. Auch Insulingaben etc. werden, obwohl Sie in Zusammenhang zur Nahrungsaufnahme stehen, als medizinisch notwendige Behandlungsaufwände verzeichnet und anders gebucht.
  2. Aufnahme der Nahrung: Das Verabreichen der Nahrung in fester, flüssiger oder künstlich zugeführter Form und die dazu notwendigen Verrichtungen fallen unter diesen Punkt der Grundpflege.

Unter Mobilität wird verstanden:

  1. Aufstehen und Zu-Bett-Gehen: zur Grundpflege gehört es, auf die eigenständige Entscheidung des Patienten hin, beim Aufsuchen und Verlassen des Bettes zu helfen. Dies muss natürlich im Korridor der gängigen Schlafens- und Aufstehzeiten der entsprechenden Altersgruppe liegen. Ein Beruhigen oder Beistand leisten einer bereits zu Bett gebrachten Person wird nicht berücksichtigt. Auch das Umlagern wird unter die Mobilität eingerechnet und im Rahmen der Grundpflege mitgezählt.
  2. An- und Auskleiden: in die Zeit für die Grundpflege aufgenommen werden das Ausziehen der Tageswäsche und das Anziehen der Nachtwäsche sowie morgens das Ausziehen der Nachtwäsche und das Anziehen der Tageswäsche. Mit eingerechnet werden auch das Schnüren von Schuhen, Aus- und Zuknöpfen von Verschlüssen sowie das Herausholen und Verstauen der Kleidung. Die Zeit für das Anlegen von Prothesen, Korsetts und Co. muss der Gutachter individuell vor Ort messen. Kompressionsstrümpfe anzuziehen und ausziehen zählt nur bei Klasse 1 Kompressionsstrümpfen. Klasse 2 Strümpfe müssen als medizinische Maßnahme geltend gemacht werden.
  3. Gehen: der Vorgang des zielgerichteten Gehens zu einem notwendigen Ziel (Esstisch etc.) bzw. die unterstützte Fortbewegung mit dem Rollstuhl. Zum Gehen gehören auch das Aufstehen und Hinsetzen. Pro Verrichtung darf eine Gehstrecke von ca. 8 Metern geltend gemacht werden.
  4. Transfer (Stehen): Als Hilfebedarf können Transfers vom Gehen in die Badewanne, auf einen Duschstuhl und wieder zurück geltend gemacht werden. Jeder Transfer kann berechnet werden – einmal in die Badewanne und zurück sind also 2 Transfers.
  5. Treppensteigen: besteht für die Verrichtungen des täglichen Lebens im Wohnbereich des Pflegebedürftigen der Bedarf des Treppensteigens, kann dieser als Hilfebedarf gegenüber der Pflegeversicherung geltend gemacht werden.
  6. Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung zur Inanspruchnahme verordneter Therapien und Arztbesuche insoweit Hilfe dazu erforderlich ist.

Zeitbedarf der Grundpflege Verrichtungen

Der Gesetzgeber hat zur Orientierung für fast alle Verrichtungen der Grundpflege Zeiten festgelegt, welche herangezogen werden können, um den Grundpflege Bedarf festzulegen. Diese Zeiten sind teils sehr knapp gerechnet und bringen Angehörige wie Pflegedienste unter einen enormen Zeitdruck. Andererseits sind die öffentlichen Gelder knapp geworden und die Pflegekassen sind angewiesen zu sparen.

Folgende Zeiten werden von der gesetzlichen Pflegeversicherung im Zuge eines Begutachtungsverfahrens als Vergleich herangezogen:

Hilfebedarf Zeit Hilfebedarf Zeit
Körperpflege
Ganzkörperwäsche 20 bis 25 Min. Unterkörperwäsche 12 bis 15 Min.
Oberkörperwäsche 8 bis 10 Min. Hände und Gesicht waschen 1 bis 2 Min.
Duschen 15 bis 20 Min. Baden 20 bis 25 Min.
Zahnpflege 5 Min. Kämmen 1 bis 3 Min.
Rasieren 5 bis 10 Min. Darm- / Blasenentleerung 11 bis 20 Min.
Ernährung
Mundgerechtes Zubereiten 2 bis 3 Min. Nahrungsaufnahme (3 mal pro Tag) 15 bis 20 Min.
Mobilität
Einfache Hilfe zu Bett gehen / aufstehen 1 bis 2 Min. Umlagern 2 bis 3 Min.
Ankleiden 8 bis 10 Min. Nur Unter- / Oberkörper 5 bis 6 Min.
Entkleiden 4 bis 6 Min. Nur Unter-/ Oberkörper 2 bis 3 Min.
Gehen, Stehen, Treppensteigen Begutachtung Verlassen / Wiederaufsuchen der Wohnung 45 Min.

Beitrag verfasst von Konrad Dießl.