Pflegebedürftigkeit und Anspruch auf Leistungen

Wann ist jemand pflegebedürftig und wie definiert sich Pflegebedürftigkeit?

Pflegebedürftigkeit kann prinzipiell in jedem Lebensabschnitt durch Krankheit oder Unfall auftreten. Pflegebedürftig sind Personen, die aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung im gewöhnlichen Alltagsleben mindestens für 6 Monate in erheblichem oder höherem Maße auf Hilfe angewiesen sind (vgl. § 14 SGB XI). Unter diese Personengruppe fallen Leute mit Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat, Funktionsstörungen innerer Organe oder der Sinnesorgane und Störungen des Zentralnervensystems. Die Hilfe bzw. Pflege, welche in diesen Fällen oft dringend benötigt wird, bezieht sich auf die Bereiche Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung und orientiert sich an dem jeweiligen Betroffenen. Der Bedarf wird anhand des Grades bzw.des Umfangs der körperlichen Beeinträchtigung ermittelt.

Welchen Pflegeanspruch kann man geltend machen?

Im Falle der nachgewiesenen Pflegebedürftigkeit hat die betroffene Person Anspruch auf die gesetzlich festgelegte Unterstützung im Rahmen der Pflegeversicherung. Die Höhe des Anspruchs wird durch einen Begutachter der gesetzlichen Pflegeversicherung anhand der Einordnung in eine Pflegestufe (s. unten) bestimmt.

Entscheidend ist auch, ob die Pflege auf einen längeren Zeitraum gesehen durch Angehörige möglich ist und ob ergänzend oder ausschliesslich ein ambulanter Pflegedienst die Pflege übernehmen soll, sofern die Pflege zuhause stattfinden soll. Bei Ausschluss dieser beiden Möglichkeiten bleibt noch die Unterbringung in einem Heim übrig.

Ab wann ein Patient welchen Anspruch auf Pflegeleistungen hat, erklärt unsere Grafik im Detail

Was bedeutet Pflege?

Im Mittelpunkt der Pflege steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Problemen und Ressourcen, auf welche individuell bei Vorsorge, Behandlung und weiteren Maßnahmen einzugehen ist.

Wichtige Grundsätze im Umgang mit Pflegebedürftigen:

  • Jeder Mensch ist ein Individuum
  • Hilfe zur Selbsthilfe geben
  • Würde des Pflegebedürftigen erhalten
  • Lebensbedingungen bestmöglich regulieren

Auf welche Bedürfnisse des Menschen bezieht sich die Pflege?

Nach Nancy Roper lassen sich die wesentlichen Bedürfnisse des Menschen in 12 Lebensaktivitäten unterteilen, welche miteinander in Verbindung stehen:

  1. Sichere Umgebung
  2. Kommunikation
  3. Atmen
  4. Essen und Trinken
  5. Ausscheiden
  6. Sauberkeit und Bekleidung
  7. Regulation Körpertemperatur
  8. Bewegung
  9. Arbeit und Spiel (Freizeitgestaltung)
  10. Sich als Mann und Frau fühlen
  11. Schlafen
  12. Sterben

Beeinflusst werden diese Aktivitäten durch körperliche, psychologische, soziokulturelle, umgebungsabhängige und wirtschaftliche Faktoren über die Lebensspanne hinweg, sodass auch der Vorsorge eine große Bedeutung zukommt. Der Grad des Hilfsbedarfs ist abhängig von dem individuellen Bedarf eines Menschen an Hilfsleistung durch Andere (Abhängigkeits-/Unabhängigkeitskontinuum).

Wie funktioniert das Prinzip des Pflegeprozesses?

Pflegeprozess bedeutet, dass Pflege sich jeweils an den Gegebenheiten, Notwendigkeiten und Bedürfnissen des einzelnen Menschen im jeweiligen Lebensabschnitt ausrichtet. Prozess bedeutet fortschreiten, sich entwickeln und soll dynamische Pflegehandlungen integrieren. Das Ziel der Pflegemaßnahmen sollte sein, bisherige Lebensgewohnheiten des Individuums möglichst wenig zu unterbrechen.

Beitrag verfasst von Konrad Dießl.