Das Begutachtungsverfahren und das Pflegetagebuch

Welche Pflegestufe hat eine pflegebedürftige Person?

Pflegeantrag für Begutachtungsverfahren Pflegestufe

Erst der Pflegeantrag, dann das Begutachtungsverfahren.

Diese Fragen beantwortet das so genannte Begutachtungsverfahren. Ein von der gesetzlichen Pflegeversicherung eingesetzter Gutachter besucht dabei den pflegebedürftigen Patient oder die pflegebedürftige Patientin zu Hause oder im Pflegeheim. Der Gutachter hat einen vom Gesetzgeber vorgegebenen Fragenkatalog, welchen er im Verlauf des Termines durcharbeitet.

Der Katalog hat viele Detailfragen und wird nach dem Termin zusammen mit den Antworten und Feststellungen des Gutachters an die gesetzliche Pflegeversicherung übermittelt. Diese entscheidet dann, welche Pflegestufe anerkannt wird. An die Pflegestufe gebunden sind wiederum die Leistungen, welche von der gesetzlichen Pflegeversicherung und etwaiger privater Zusatzversicherungen erstattet werden.

Um einen solchen Besuch zu bekommen, müssen Sie als allererstes einen Pflegeantrag an die Pflegekasse stellen. Dieser kann formlos erfolgen (telefonisch, E-Mail, schriftlich). Meist sendet Ihnen danach die gesetzliche Pflegeversicherung ein Formular zu, welches Sie möglichst schnell ausfüllen und zurücksenden müssen.

Wie Sie im Begutachtungsverfahren das Maximum herausholen

Damit Sie von den optimalen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und Ihrer privaten Pflegezusatzversicherung profitieren können, sollten Sie unsere Tipps befolgen. Lieber werden Sie in eine zu hohe Pflegestufe eingeordnet. Solange Sie nicht die Unwahrheit sagen, machen Sie nichts falsch. Im Gegenteil – wie immer gilt, dass derjenige draufzahlt, der sich nicht informiert.

Entscheidend bei der Einstufung ist unter anderem der Zeitbedarf für die Grundpflege.

Unsere 11 Erfolgstipps für die Begutachtung

  1. Informieren Sie sich, welche Pflegestufe Sie erfüllen und besprechen Sie die Voraussetzungen für diese Pflegestufe mit einem Pflegedienst Ihrer Wahl. Lesen Sie dazu unsere Zusammenfassung zur Grundpflege und den verschiedenen Pflegestufen und ermitteln Sie damit Ihre Pflegestufe. Wir helfen gern, rufen Sie uns einfach an.
  2. Alternativ: Nehmen Sie einen Beratungstermin bei der örtlichen  Pflegekasse wahr (kostenlos).
  3. Nehmen Sie Ihre Kinder oder einen guten Freund mit. Vier Augen sehen mehr als zwei Augen.
  4. Besprechen Sie gemeinsam mit dem Pflegedienst jede der zu erfüllenden Voraussetzung im Detail und fragen Sie nach den Tricks der Gutachter.
  5. Proben Sie den Besuch des Gutachters: jemand informiert sich, spielt den Gutachter und versucht Ihnen Fallen zu stellen. Beispiel: der Gutachter fordert Sie auf, sich mal den Pullover auszuziehen für eine Untersuchung. Laut den Bedingungen Ihrer Pflegestufe dürfen Sie das aber nicht alleine schaffen. Nun strengen Sie sich extrem an und schaffen es doch – schon haben Sie die gewünschte Pflegestufe  verpasst.
  6. Besprechen Sie die Probe und gemachte Fehler. Gab es viele Fehler, proben Sie nochmal. Denken Sie einfach daran, dass eine falsche Einstufung Sie Tausende von Euros kosten kann. In manchen Regionen versuchen die Gutachter bewusst Personen niedriger einzustufen, um Gelder einzusparen – so hört man gerüchteweise.
  7. Machen Sie eine Checkliste mit den Voraussetzungen und übersetzen Sie diese in der Checkliste in Ihre eigenen Worte: was ich schaffen darf, was ich nicht schaffen darf.
  8. Gehen Sie die Checkliste mit den bei der Begutachtung anwesenden Personen durch bevor der Gutachter eintrifft.
  9. Verhalten Sie sich beim Termin zuvorkommend und kooperativ, aber seien Sie schwach und zeigen Sie Ihren Hilfebedarf selbstbewusst und freundlich, indem Sie beim Besuch oft Ihre Kinder um Hilfe bitten und diese auch sofort helfen.
  10. Verhalten Sie sich natürlich wie geübt und versuchen Sie nicht den Gutachter zu etwas zu überreden. Es zählt was er aufschreibt, nicht was er denkt oder will.
  11. Entfernen Sie alle Zeichen und Erinnerungen Ihrer Übungen direkt vor dem Besuch des Gutachters zusammen mit einer weiteren Person. Übersehen Sie nichts!
  12. Zeigen Sie dem Gutachter alle Unterlagen Ihrer Arztes und Ihr Pflegetagebuch.

Führen Sie ein Pflegetagebuch

Ab dem Zeitpunkt, wo Sie Hilfe von Anderen benötigen, sollten Sie ein Pflegetagebuch führen. Das Pflegetagebuch sollte minutengenau für jeden Tag festhalten, bei welchen Tätigkeiten Sie Hilfe benötigten und wie lange. Zudem sollte darin verzeichnet sein, ob Sie nur eine Anleitung brauchten, eine Beaufsichtigung, Hilfe oder ein Abnehmen der Tätigkeit. Das Pflegetagebuch sollten Sie vor dem Begutachtungstermin mit dem Pflegedienst besprechen und dann ins Reine schreiben.

Bekommen Sie viel Hilfe? Dann hängen Sie das Pflegetagebuch doch einfach an einer Schnur (mit einem Stift) in die Küche – so kann jeder der Ihnen hilft, sich selbst eintragen. Und damit das nicht vergessen wird, machen Sie noch eine bunte Erinnerung an die Küchentür :).

Hier sehen Sie ein Pflegetagebuch Beispiel - welche Tätigkeit wurde verübt, wieviel Hilfe wurde benötigt?

Vorlage Pflegetagebuch

Wenn Sie möchten, können Sie gerne unsere kostenfreie Vorlage für ein Pflegetagebuch herunterladen. Das Pflegetagebuch sieht genauso aus, wie oben im Beispiel dargestellt.

Vom Pflegebedarf zur Leistung

Jemand der meint, er wäre berechtigt, Pflegeleistungen zu empfangen, sollte unbedingt folgende Schritte unternehmen:

  • 1 Monat oder weniger Pflegetagebuch führen
  • Beratungstermin mit der Pflegekasse wahrnehmen
  • Pflegeantrag stellen
  • Pflegetagebuch weiter führen
  • Arztbesuche und Einholung von Gutachten
  • Begutachtungstermin
  • Genehmigung der Pflegekasse abwarten
  • Bei Einstufung in zu geringe Pflegestufe Widerpruch einreichen.

So kommen Sie sicher an Ihre Erstattungen und nutzen die staatlichen Hilfen optimal aus.

Beitrag verfasst von Konrad Dießl.