Pflegezeit und berufliche Freistellung

Berufliche Freistellung zur Pflege eines Angehörigen

Wird eine Person zum Pflegefall, muss es oft schnell gehen. Eine Person, deren Demenz Auswirkungen auf Alltags- und Lebensführung hat, braucht meist sehr schnell gute Unterstützung. Leider gelingt es oft nicht, so schnell wie erforderlich einen Pflegedienst oder einen Platz in einer passenden voll stationären Einrichtung zu finden. In einem solchen Fall springen oft Verwandte oder Kinder der Person ein, die zum Pflegefall geworden ist. Meist stehen diese jedoch mitten im Berufsleben und haben aufgrund von eigener Familie und finanziellen Verpflichtungen wenig Spielräume. In diesem Fall sieht das Pflegezeitgesetz eine Unterstützung vor, die eine vorübergehende oder längerfristige Pflege von Angehörigen ermöglicht.

Der Gesetzgeber sieht drei Modelle zur beruflichen Freistellung zu Pflege eines Angehörigen vor:

  • Kurzzeitige Arbeitsverhinderung
  • Sechsmonatige teilweise Freistellung
  • Sechsmonatige vollständige Freistellung
  • Familienpflegezeit

Damit soll gewährleistet werden, dass Personen, welche unzureichend abgesichert sind, dennoch Pflegeleistungen erhalten können und von Angehörigen gepflegt werden können. Eine Pflege durch Angehörige oder Kinder erfordert jedoch eine gute Planung. Die Angehörigen sollten sich bewusst klar machen, wie viel Anstrengung und Aufwand die Pflege bedeutet, und ob das mit ihrer normalen Alltagsbelastung vereinbar ist.

Kurzzeitige Arbeitsverhinderung

Bei akuten Pflegefällen naher Angehöriger können Arbeitnehmer bis zu 10 Tage von der Arbeit freigestellt werden . Diese Freistellung ermöglicht Angehörigen kurzfristig notwendige Pflegebehandlungen zu übernehmen. Weiters ist diese Zeit auch nötig, um sich um weiterführende Pflegemaßnahmen (Pflegedienst, Heimplatz) zu kümmern. Während dieser Tage erfolgt keine Lohnfortzahlung. Jedoch laufen aller anderen Leistungen wie bei einem Urlaub weiter: Krankenversicherung etc.  Wenn Sie über eine kurzzeitige Freistellung nachdenken, sollten Sie unbedingt Ihren Arbeitsvertrag durchlesen. Manche Arbeitgeber gewähren in einem solchen Fall Lohnfortzahlung.

Sechsmonatige Freistellung zur Pflege

Arbeitnehmer, welche die Pflege eines nahen Angehörigen übernehmen, sind für eine festgelegte Zeit vollständig oder teilweise von der Arbeit freizustellen. Es ist wichtig, Art, Dauer und Zweck schriftlich mit dem Arbeitgeber zu fixieren. Beide Vertragsparteien sollten ein Exemplar der genehmigten Freistellung in ihre Akten aufnehmen. Eine Lohnfortzahlung findet bei einer vollständigen Freistellung nicht statt; bei einer teilweisen Freistellung wird der Lohn um den Freistellungszeitraum anteilig vermindert. Beispiel: Sie lassen sich täglich für 4 Stunden freistellen. Bei einer täglichen Arbeitszeit von normalerweise 8 Stunden erhalten Sie dann nur 50% ihres Gehalts.  

In Firmen mit 15 Angestellten oder weniger macht das Gesetz eine Ausnahme, denn hier besteht aufgrund der Betriebsgröße keine Möglichkeit zur Freistellung. Diese ist in Betrieben mit 15 Angestellten oder weniger nur möglich, wenn der Arbeitgeber zustimmt.

Familienpflegezeit zur Gehaltsfortzahlung bei Pflegetätigkeit

Die Familienpflegezeit ist ein relativ neues Modell, und soll helfen Beruf und Pflege von Angehörigen zu vereinen. Die Pflegezeit muss dem Arbeitnehmer spätestens 10 Tage vor Antritt mitgeteilt werden. Ab der schriftlichen Mitteilung besteht Kündigungsschutz über die Dauer der Pflegezeit. In der Pflegezeit kann die Wochenarbeitszeit reduziert werden auf ein Minimum von 15 Stunden pro Woche.

Der Arbeitgeber zahlt in dieser Zeit den anteiligen Lohn, der Arbeitnehmer erhält zusätzlich ein zinsloses Darlehen über die Hälfte der verbleibenden Differenz zum vollen Lohn. Dieses Darlehen muss nach Ende der Pflegezeit zurückgezahlt werden. Mit einer Familienpflegezeitversicherung (günstig) kann das Risiko abgesichert werden, dass man vor Ende der Rückzahlung gekündigt wird.

Versicherungsschutz während der Freistellung zur Pflege

Hier erklären wir Ihnen noch einige Details rund um die berufliche Freistellung zur Pflege von Angehörigen.

Lassen Sie sich zur Pflege eines Angehörigen freistellen, gibt es zum Thema Arbeitgeberleistungen und Pflichten des Arbeitnehmers folgendes zu beachten:

  • Ist die pflegende Person über eine Familienversicherung kranken- und pflegeversichert, bleibt während der Pflegezeit der Versicherungsschutz bestehen. Für den Fall, dass keine Familienversicherung abschließbar ist bzw. vorhanden ist, muss die pflegende Person sich selbst um einen Kranken- und Pflegeversicherungsschutz kümmern. Die Versicherungen bieten hier günstige Beiträge, deren Kosten anteilig von der gesetzlichen Pflegeversicherung bezahlt werden (unter Umständen).
  • In einer privaten Krankenversicherung bleibt der Schutz erhalten. Der Arbeitgeberanteil kann auf Antrag anteilig für die aufgewendete Pflegezeit erstattet werden.
  • Die gesetzliche Rentenversicherung bleibt bestehen, wenn mindestens 15 Arbeitsstunden oder 14 Pflegestunden pro Woche geleistet werden.
  • Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung. Damit ist eine pflegende Person bei eintretender Arbeitslosigkeit abgesichert.

Berechnungsbeispiel Familienpflegezeit

Hier haben wir ein Berechnungsbeispiel rund um die Familienpflegezeit für Sie zusammengestellt. Bitte beachten Sie, dass wir nicht für die Richtigkeit der gemachten Angaben garantieren können, denn die Gesetze ändern sich hin und wieder, und Sie sollten Ihre individuelle Situation unbedingt mit einer Beratungsstelle der gesetzlichen Pflegeversicherung besprechen.

Grafik zeigt das Modell der Familienpflegezeit im Detail erklärt

Beitrag verfasst von Konrad Dießl.